Zusätzliche Angaben
Weiter zu IV.1.1) Begründung Direktvergabe:
Das Ersetzen dieses Systems ist mit sehr hohen zeitlichen, finanziellen und ressourcentechnischen Aufwänden verbunden, da nicht neben allen Hafas-Systemen auch alle Systeme bei den Verkehrsunternehmen und dem VBB ersetzt und an das neue System angepasst werden müssen. Der Aufwand alleine für die Umstellung der BVG-Systeme beliefe sich auf ca. 4 Mitarbeiter für 2 Jahre, also 8 Mannjahre.
— Anbindung an BVG-/VBB-Backendsysteme: aufgrund der BVG- und VBB-spezifischen Anforderungen an die Schnittstelle und Test-Aufwände i. H. v mind. 9 Mannmonaten,
— Anpassung der VBB-Systeme: Mit der Umsetzung der Funktionalitäten durch einen neuen Anbieter entstehen Realisierungs-, Anpassungs- und Einführungsaufwendungen für die Systemumstellungen, auch bei dem VBB und dessen Partner, insbesondere auch, da der VBB die Daten via Open-API einer großen Anzahl an Drittanbietern zur Verfügung stellt (Abfahrtstafeln, andere Apps, Google),
— Anbindung an den Finanzdienstleister: Aufwände in Höhe von mind. 2 Mannmonaten,
— Umsetzung aller App-Funktionen, die die App heute bietet: Hierzu zählen umgesetzte Speziallösungen, die die BVG den Kunden weiterhin bieten möchte und muss. Die Aufwände können bis zu 12 Mannmonate betragen,
— Umsetzung des UI entsprechend der BVG-Vorgaben: In jedem Fall müssen andere Anbieter das UI der BVG umsetzen. Dieses ist bei anderen Anbietern außer HaCon nicht vorhanden und verursacht aufgrund des hohen Funktionsumfangs der App Aufwände in Höhe von 5 Mannmonaten,
— Erarbeitung von Betriebs-, IT- und Datenschutzkonzepten: Hierfür entstehenden Aufwände von mind. 3 Mannmonaten,
— Integration und Umsetzung des VBB-Tarifs: Aufwände in Höhe von mind. 1,5 Mannmonaten, inkl. Layout-Tests,
— Der Quellcode gehört HaCon, weshalb die bestehende App nicht durch einen anderen Anbieter weiterentwickelt werden kann, sondern neu entwickelt werden muss.
Im Übergangszeitraum müssten 2 Routingsysteme parallel laufen, was zu Kompatibilitätsproblemen führen würde, da die Fahrinfo ein höchst sensibles System ist. Ein hoher Personaleinsatz zur Problembehebung übersteigt die Ressources der BVG und wäre sehr unwirtschaftlich.
Zudem wird die Fahrinfo-App derzeit ausgeschrieben, so dass der Übergangszeitraum begrenzt ist und den Anforderungen des Vergaberechts entsprochen wird.
c) Migration
Mit der Nutzung eines neuen Front- und Backends ist ggf. die Notwendigkeit der Migration von Daten verbunden. Der Umfang der Migration bzw. die Möglichkeit zur Weiternutzung der App müssen im Projekt im Detail geprüft werden.
d) Schulungsaufwand
Für ein neues System müssen alle Fachabteilungen der BVG unter anderem auf das neue Backend geschult werden. Zu den Fachabteilungen gehören nicht nur die Product Owner und das Support-Team, sondern auch die Mitarbeiter der Fahrgastinformation, die z. B. Verkehrsmeldungen einstellen bzw. bearbeiten.
Insgesamt ist aufgrund der tiefengreifenden Einbindung des Front- und Backends in die BVG-Systemlandschaft mit hohen personellen, zeitlichen und wirtschaftlichen Aufwänden zu rechnen, die eine Vergabe für den o. g. Zeitraum für einen anderen Anbieter als die Fa. HaCon unmöglich machen.
Die Aufwände liegen bei mehreren Mannjahren.
4. Risikoeinschätzung
Sollte die Vergabe nicht erfolgen und damit kein Fortbetrieb des Front- und -Backends erfolgen, gehen damit schwerwiegende Auswirkungen auf den Umsatz und die Kundenbindung einher.
Durch die hohe Verbreitung (4 Millionen Downloads) und die starke Nutzung (mehrere Millionen Euro Umsatz pro Monat) App ist bei einer Abschaltung der App mit signifikanten Einnahmen- und Kundenverlusten zu rechnen.
Noch schwerwiegender wäre das grundsätzliche Fehlen einer Fahrplanauskunft für die Kunden, die Voraussetzung fast aller Kunden für die Nutzung des ÖPNV und zudem verkehrsvertraglich gefordert ist.
Die Fahrgastinformation ist außerdem Voraussetzung für die kurzfristige Information der Kunden auch bei Störungen.