VerfahrensartVerhandlungsverfahren ohne vorherige BekanntmachungErläuterung:
Das Standortübergreifende Molekulare Tumorboard (SMTB) ist integraler Bestandteil einer qualitätsgesicherten, interdisziplinären und akademischen Tumormedizin, wie sie nur das Comprehensive Cancer Centers Niedersachsen (CCC-N) anbieten kann. In Niedersachsen erfüllen ausschließlich die Universitätsmedizin Göttingen und die Medizinische Hochschule Hannover die fachlichen und regionalen Anforderungen, um mit der AOK Niedersachsen diesen Vertrag der Besonderen Versorgung gem. §140a SGB V abschließen zu können.
1. Strukturelle Abgrenzung gegenüber anderen niedersächsischen Krankenhäusern:
a) Die Voraussetzungen für die Translation von eigener wissenschaftlicher Aktivität hin zu Patientenversorgung und zurück („from bench to bedside and back“) in den Strukturen eines Comprehensive Cancer Centers ist nur durch die beiden genannten niedersächsischen Hochschulstandorte gegeben. Beide Partner stellen durch ihren Hochschulstandard sicher, dass die verwendeten Methoden immer dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechen, eine besondere Expertise im Umgang mit innovativen Methoden besteht und diese im Sinne eines lernenden Systems dynamisch angepasst werden.
b) Nur die Spezialisten eines CCC sind in der Lage, die Durchführung eines Molekularen Tumorboards in die klinischen Abläufe mit einem unmittelbaren Patientenkontakt zu integrieren. Dieser Bedarf ergibt sich u. a. aus der Notwendigkeit, Patienten ggf. persönlich beraten zu lassen, bei Bedarf Tumorgewebe neu zu gewinnen (Re-Biopsien, wenn das bisherige Tumormaterial für die molekulare Diagnostik nicht vorliegt oder geeignet ist) und komplexe Behandlungssituationen eigenständig klinisch bewerten zu müssen (z. B. bisherige Nebenwirkungsspektren, Ko-Morbiditäten).
c) Die Indikationsstellung zur Vorstellung im SMTB muss durch ein von der DKG zertifiziertes Organtumorboard erfolgen. Die UMG und die MHH erfüllen die erforderlichen Strukturvoraussetzungen hinsichtlich der Erreichbarkeit relevanter Fachdisziplinen. Die relevanten Fachdisziplinen müssen ständig und vor Ort anwesend und für Rückfragen erreichbar sein. Zu diesen Fachdisziplinen zählen mindestens: Internistische Onkologie, (Molekular)pathologie, Humangenetik, Bioinformatik. Je nach Tumor müssen weitere Fachvertreter mit entsprechender Qualifikation (z. B. Gynäkologen bei gynäkologischen Tumoren, Neuropathologen oder Neurochirurgen bei Tumoren des ZNS) vertreten sein. Die Qualifikation der Teilnehmer (u. a. wissenschaftliche Expertise, Vernetzung, Teilnahme an Ringversuchen und anderen qualitätssichernden Maßnahmen) muss den Aufgaben im SMTB angemessen sein.
d) Wegen der beabsichtigten Analyse von Fällen von externen Netzwerkpartnern u. a. zur Re-Evaluation der histologischen Vorpräparate ist eine weitere strukturelle Voraussetzung die entsprechende Expertise bei der histopathologischen und molekularpathologischen Bewertung komplexer und extrem komplexer Fälle (z.B. Tätigkeit als Referenzpathologen, internationaler Expertenstatus mit entsprechender apparativer Ausstattung zur Bearbeitung solcher Fälle).
e) Wichtiger Baustein in der Kooperation ist die wissenschaftlich-translationale Verwertung der Ergebnisse (z. B. durch Initiierung eigener klinischer Studien), weil ein Klinisches Studienzentrum vorgehalten wird.
2. Regionale Abgrenzung gegenüber anderen Universitätskliniken:
a) Wohnortnahe Versorgung der Versicherten in Niedersachsen durch Universitätsklinika.
b) Wichtiges Element der geplanten Kooperation ist der Netzwerkaufbau zwischen den Universitätskliniken und möglichst vielen onkologisch tätigen Krankenhäusern in Niedersachsen. Hierfür kann auf die bereits gelebten Strukturen zwischen MHH und UMG als Zentren der Spitzenmedizin und den niedersächsischen Krankenhäusern zurückgegriffen werden.
Die ausreichend wohnortnahe Versorgung eines SMTB für das Land Niedersachsen im universitätsmedizinischen Bereich kann ausschließlich durch die Universitätsmedizin Göttingen und die Medizinische Hochschule Hannover geleistet werden.