VerfahrensartVerhandlungsverfahren ohne vorherige BekanntmachungErläuterung:
Das Behandlungskonzept des Reha-Zentrums am Meer sieht vor, dass nach vorangestelltem Diagnostiktag, bei dem eine medizinische Bewertung und Einschätzung über einen potenziellen Behandlungserfolg durch Orthopäden, Psychologen und Physiotherapeuten des Reha-Zentrums abgegeben wird, die Patienten eine Multimodale Schmerztherapie (MMS) durchlaufen. Die MMS wird vom Reha-Zentrum ambulant durchgeführt. Sie dauert vier Wochen, in denen die Behandlung je nach Schweregrad der Erkrankung an jeweils vier oder fünf Werktagen stattfindet. Patienten im Standard-Programm werden dabei 3-4 Stunden an vier Tagen in der Woche behandelt, Patienten im Komplex-Programm 5-7 Stunden an fünf Tagen in der Woche. Die Behandlung mit erhöhter Behandlungsintensität (Komplex-Programm) ist umfangreicher und für Patienten mit kompliziertem Krankheitsverlauf und/oder beeinträchtigenden psychosozialen Risikofaktoren vorgesehen. Es legt neben dem höheren Anteil an körperlichen Trainingseinheiten insbesondere einen größeren Wert auf die psychologische und ärztliche Behandlung. Die „klassische“ ärztliche Intervention (Injektionen, etc.) soll so gering wie möglich gehalten werden. Die Therapie umfasst eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen dem Arzt, einem Physiotherapeuten und einem Psychologen im Rahmen von u.a. Seminaren, Gymnastik und Fitness, Einzelgesprächssitzungen. Die MMS beginnt jeweils zum Monatsbeginn und dauert 4 Wochen. Dabei wird eine Gruppengröße von insgesamt jeweils 10 Patienten angestrebt.
Existentielle Voraussetzung für die Umsetzung einer o.g. MMS im Reha-Zentrum am Meer ist, dass die bisherige Expertise aus dem Innovationsfondsprojekt konkret nur durch das Reha-Zentrum am Meer eingebracht werden kann. Zudem liegt wie auch zu Beginn des Innovationsfondsprojektes keine vergleichbare multimodale Schmerztherapie für die hier betroffene Patientenklientel vor. Vielmehr werden die Ergebnisse aus der Begleitforschung zum Innovationsfondsprojekt Grundlage sein für die Bewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) für die Frage, ob und wenn ja, in welchem Umfang gesundheitliche Versorgungsleistung aus dem Innovationsfonds in die Regelversorgung überführt werden können. Die Begleitforschung ist vom Evaluator (unabhängiges Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover) vorgegeben und endet zum 30.04.2023. Im Anschluss umfasst der fixe Zeitplan von Innovationsfondsprojekten eine Mindestbewertungsdauer von sechs Monaten nach Vorlage des Evaluationsberichtes, die dem GBA zur Bewertung zur Verfügung steht. Somit ist eine Befristung des geplanten Vorhabens auf 18 Monaten vorgesehen.
Um des Weiteren eine Verantwortungsdiffusion zu vermeiden, sollten Versicherte nach erfolgter Empfehlung für eine individuelle MMS im Diagnostiktag im Reha-Zentrum am Meer weiterbehandelt werden. Dadurch können Behandlungsfehler vermieden werden und mögliche Versorgungslücken, welche durch lange Abstimmungsprozesse entstehen können und dem Ziele einer schnellen Widerherstellung der Arbeitsfähigkeit entgegenwirken, frühzeitig verhindert werden.
Da die Teilnahme an der MMS im Reha-Zentrum am Meer für die Versicherten freiwillig ist, ist die Durchführung einer regelhaften stationären oder ambulanten Rehabilitationsleistung als Alternative jederzeit gewährleistet. Es besteht somit kein Ausschluss anderer Reha-Kliniken.