Um die gewünschte und wichtige Scharnierfunktion zwischen RFA und der ESA Mission ein-nehmen zu können, muss der Auftragnehmer (AN) Mitglied der MAG sein. Im Rahmen der MAG nehmen deren Mitglieder zu Aspekten der wissenschaftlichen Anforderungen, aber auch zu deren Implementierung Stellung, während sie über den Stand der Mission von ESA unter-richtet werden. Mitglieder der MAG haben also einen direkten Zugriff auf wichtige Informatio-nen zur wissenschaftlichen Nutzung der Mission. Diese Informationen sind für den zielgerichte-ten Aufbau einer deutschen Nutzergemeinde essentiell. Wäre der AN kein Mitglied der MAG, bestünde daher die Gefahr, dass die aufgewendeten Mittel für das PB nicht optimal eingesetzt würden. Als AN kann nur ein nationaler Akteur in Frage kommen, denn für den Aufbau einer aktiven deutschen Nutzergemeinde ist einerseits eine umfassende Kenntnis der deutschen Wissenschaftscommunity Vorraussetzung, aber auch die Fähigkeit, das Missionskonzept und die Potentiale der Nutzung für sonstige nationale Bedarfs- und Entscheidungsträger aufzuar-beiten und zu kommunizieren. Weiterhin hat der AN im laufenden Auftrag bereits exzellente Ergebnisse geliefert, eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem UAN demonstriert und eine erste Nutzercommunity aufgebaut. Eine Vergabe an einen anderen Auftragnehmer im Rah-men der Aufstockung würde hier zu vielen Reibungsverlusten führen und den Erfolg der bisher eingesetzten Mittel riskieren.Des Weiteren muss der AN deutsche Interessen wahrnehmen und die Mission innerhalb DE so vermarkten, dass deutsche Institutionen und Unternehmen ausreichend und prominent an der Missions-Ergebnisverwertung beteiligt sind. Daher muss der AN ein deutscher Vertreter in der MAG sein.
Der AN muss über eine breite Aufstellung im Gebiet der Biomasse- und Kohlenstoffmodellie-rung verfügen und in der Klimaforschung / Klimamodellierung vernetzt sein. Dies beinhaltet, dass er mit verschiedenen Messtechniken von Biomasse- und Kohlenstoffdaten und deren Modellierung vertraut ist. Außerdem muss er zur synergetischen Nutzung von Datenprodukten aus unterschiedlichen Messquellen (Radar u.a.) in der Lage sein.
Darüber hinaus muss der AN, neben der zunächst exzellenten Kenntins nationaler Netzwerke auch europäisch und weltweit wissenschaftlich vernetzt sein.
b) Mögliche Anbieter
DE hat zwei Vertreter in der Biomass MAG:
- Prof. Björn Markus Reichstein, Max-Planck-Institut für Biochemie in Jena (MPI Jena)
- Dr. Kostas Papathanassiou, Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme des DLR e.V., (DLR HR)
Das DLR HR fällt als direkter AN aus, da eine Beauftragung des DLR durch die RFA aus rechtli-chen Gründen ausgeschlossen ist im laufenden Auftrag wird das DLR Institut HR als UAN in das Projekt eingebunden. Aus fachlicher Sicht läuft diese Einbindung bisher sehr erfolgreich.
Somit kommt als direkt beauftragungsfähiger AN nur das MPI Jena in Frage.
Prof. Reichstein verfügt über das geforderte fachliche Knowhow. Er verfügt über herausragen-de Expertise über biogeochemische Stoff-Zyklen (u.a. Kohlenstoff-Zyklus) und deren Zusam-menhänge und verfügt über langjährige Erfahrungen in den Methoden der Datenassimilation, Data mining, der dynamischen globalen Ökosystem-Modellierung sowie verschiedenster Messverfahren zur Erfassung relevanter Modellparameter u.a. mittels Erdbeobachtung und Eddy-Flux-Verfahren. Er ist aktiv in nationalen und internationalen Wissenschaftsgremien (z.B. Komitee Future Earth, Advisory Board für Integrated Carbon Observing System) und erlangt mit seinen Forschungsarbeiten und Publikationen große Anerkennung. Er ist darum auch ein ausgezeichneter Kommunikator für die Biomass-Mission in andere Forschungsgruppen.
Im Ergebnis kann der geplante Auftrag aus fachtechnischen Gründen nur von Prof. Reichstein vom MPI Jena erbracht werden.
c) Art der Vergabe mit Begründung
Die Voraussetzungen des § 14 Abs. 4 Nr. 2 b) VgV liegen vor.