Beschreibung der Beschaffung
Für Bewertungen der Mensch-Maschine-Interaktion beim automatisierten Fahren soll ein Forschungsfahrzeug mit einem sog. „Wizard-of-Oz“-Steuerungsprinzip beschafft werden, das im öffentlichen Straßenverkehr betrieben werden kann. Dieses Prinzip vermittelt bei nicht aufgeklärten Probanden den überzeugenden Eindruck, dass es sich um eine technisch umgesetzte Automatisierungsfunktion handelt. Dieser subjektive Fahreindruck resultiert aus der Steuerung durch einen zweiten Fahrer, der sich (für die Probanden unsichtbar und zurückgesetzt) im Fahrzeug befindet (von dessen Anwesenheit im Fahrzeug die Probanden zu keinem Zeitpunkt Kenntnis erlangen); für das Funktionieren des Versuchskonzeptes gilt diese Anforderung auch nach Abschluss des Versuches bis zur Aufklärung der Probanden fort. Dieser Fahrzeugaufbau ermöglicht sowohl Fahrerverhalten zu beobachten, als auch fahrerische Leistungsfähigkeit in anspruchsvollen bzw. kritischen Verkehrssituationen zu messen. Das Funktionieren des Untersuchungskonzeptes hängt entscheidend davon ab, dass Probanden naiv hinsichtlich der lediglich vorgetäuschten Automatisierungsfunktion (ADF) sind. Weiterhin sollen auch kritische Aspekte (bspw. Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit im Umgang mit Fahrzeugautomatisierung als auch die Neigung zum Missbrauch automatischer Funktionen, etc.) untersucht werden. Eine Veröffentlichung des vorliegenden Konzeptes muss deshalb unterbleiben und die vorliegende Beschreibung (wie auch der Fahrzeugaufbau insgesamt) muss vertraulich gehandhabt werden.
Der AN soll auch das für den weiteren Umbau benötigte Grundfahrzeug beschaffen, da hier bereits einige Punkte in Bezug auf den Um- und weiteren Ausbau beachtet werden müssen, wie z.B. Platzbedarf für die Umbauten, ausreichende Energieversorgung und Klimatisierung. Die detaillierte Ausstattung das Fahrzeuges wird zwischen AG und AN nach der Bestimmung des zu nutzenden Fahrzeuges durch den AN, solange nicht bereits durch die folgenden Anforderungen bestimmt wird, festgelegt. Zur Durchführung der geplanten Versuche ist es unabdingbar, dass gegenüber dem Probanden (1. Fahrer) die Illusion eines automatisiert fahrenden Fahrzeuges zu jeder Zeit aufrecht gehalten wird. Die Illusion wird erzeugt durch einen 2. Fahrer im Fond des Fahrzeuges, der die komplette Fahraufgabe übernimmt, während der Proband davon ausgeht von einem automatisiert fahrenden Fahrzeug gefahren zu werden.
Das Fahrzeug muss also so umgebaut werden, dass es sicher aus dem Fahrzeugfond von einem 2. Fahrer gesteuert werden kann. Dies muss auch im öffentlichen Straßenverkehr, z.B. auf Bundesautobahnen sichergestellt sein. Dem 2. Fahrer müssen alle zur Ausführung der Fahraufgabe notwendigen Funktionen zur Verfügung stehen. Der Fahrzeugfond muss zur Aufrechterhaltung der Illusion zudem sowohl gegenüber dem Probanden im vorderen Teil der Fahrgastzelle als auch gegenüber dem Fahrzeugaußenbereich vollständig optisch und akustisch abgeschirmt sein. Eine schematische Darstellung des Fahrzeugaufbaus ist in einer Abbildung dargestellt.
Das HMI soll am Platz des Probanden möglichst nahtlos in das bestehende Kombiinstrument bzw. Lenkrad integriert werden. Das HMI soll zu einem späteren Zeitpunkt separat ausgeschrieben werden. Vom AN der Umbaumaßnahmen ist lediglich die Nutzung eins Bedienelementes des Lenkrades zu prüfen, gegebenenfalls ein Bedienelement anzubauen und die benötigten Daten über CAN-BUS zu übergeben.
Die für das Fahrzeug vorzusehenden Mess- und Aufzeichnungssysteme sind nicht Umfang dieser Leistungsbeschreibung. Es wird in diesem Dokument lediglich festgelegt, welche Signale vom Grundfahrzeug und dem System zur Steuerung durch den 2. Fahrer zur Verfügung gestellt werden sollen.
In dem neu zu beschaffendem Fahrzeug soll aus Gründen der Kompatibilität und aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit einem solchen Fahrzeugaufbau die prinzipiell gleichen Mess- und Aufzeichnungssystem wie im bestehenden Fahrzeug verwendet werden. Die für das bestehende Fahrzeug speziell erstellte Software kann ohne erheblichen Mehraufwand auf das neue Fahrzeug übertragen werden. Dies verbessert auch die Vergleichbarkeit der Daten, zudem sind bereits alle Tools zur weiteren Bearbeitung und Auswertung der Daten vorhanden.
Es sollen alle relevanten Daten des Fahrzeuges und des Steuerungssystems des 2. Fahrers zeitsynchron und ausfallsicher aufgezeichnet werden können. Die erforderlichen Signale sind in der Tabelle 2 Signale für die Mess- und Aufzeichnungssoftware aufgeführt. Alle Signale sollen vom AN über eine CAN-Schnittstelle zur Verfügung gestellt werden. Sollten vom System des AN standardmäßig mehr Signale zur Übertragung angeboten werden, sollen diese ebenfalls übertragen werden. Sollten einzelne Werte der Auflistung nicht vom Fahrzeug bzw. dem Steuerungssystem für den 2. Fahrer zur Verfügung gestellt werden können, sind hierfür separate Messsysteme zu verwenden. Diese können nach Vereinbarung auch vom AG beschafft und verbaut werden.