Beschreibung der Beschaffung
Im Rahmen des KISS-Projekts adressiert die HSU einen zentralen Aspekt zukünftiger KI-Forschung: Die Integration von neuronalen Netzen und symbolischen KI-Methoden. Aus Sicht der KI sind Anomalieerkennung und Diagnose zwei grundsätzlich unterschiedliche Probleme. Aktuell gibt es keine kompatiblen Lösungsansätze. Diesen Missstand will die HSU in Zusammenarbeit mit dem Auftragnehmer beheben.
Im KISS-Projekt wollen die Kooperationspartner KI-gestützte intelligente Assistenzsysteme entwickeln, die Reparaturvorgänge erheblich vereinfachen und beschleunigen. Anstelle von aufwendigen manuellen Prozessen zur Analyse der Fehlerursachen, die viel Zeit in Anspruch nehmen, sollen diese Systeme innerhalb von Sekunden auf mögliche Zusammenhänge hinweisen, Fehler erklären und Lösungsvorschläge unterbreiten. So lässt sich wertvolle Zeit sparen und die operative Verfügbarkeit des komplexen Systems nachhaltig verbessern. Dadurch bleibt mehr Budget, Zeit und Verfügbarkeit für den eigentlichen Nutzungszweck der ISS, die wissenschaftliche Erforschung des Weltraums.
Ziel des KISS-Projekts ist, eine praktische Softwarelösung zu implementieren, die folgende Funktionalitäten bereitstellt:
• Automatische KI-getriebene Erkennung von Anomalien in unterschiedlichen ISS-Subsystemen durch Analyse von Streaming-Daten (in Echtzeit mit hoher Samplingrate)
• Benachrichtigungen an das Experten-Team der Airbus in Bremen und an das Control-Center der ISS über auftretende Anomalien
• Automatische und KI-getriebene Diagnose (Root-Cause Analyse) für erkannte Anomalien
• Bereitstellung von Handlungsempfehlungen und Reparaturanweisungen zur Behebung der Anomalien für die verantwortlichen Ingenieure
• Initiierung von Maßnahmen zur automatischen Reparatur bei zeitkritischen Fehlern
Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sind voraussichtlich auch für andere technische Systeme einsetzbar. Die ISS ist durch ihre extremen Einsatzbedingungen besonders gut geeignet, innovative KI-gestützte Assistenzsysteme zu erforschen und zu entwickeln. Aufgrund der hohen Komplexität lassen sich die entwickelten Lösungen höchstwahrscheinlich leicht auf weniger komplexe Zusammenhänge übertragen.
Im KISS-Projekt erbringt der Auftragnehmer primär Tätigkeiten der angewandten Forschung sowie der experimentellen Entwicklung und ist für den Versuchsaufbau in der Einsatzumgebung an der ISS zuständig. Er erforscht insbesondere Methoden der Datennutzung und wird die Wartungssysteme der ISS anpassen. Er ist dafür zuständig, Anforderungen an die zu entwickelnden Lösungen zu erheben und Systemkausalitäten zu modellieren.
Der Auftragnehmer hat vor kurzem bereits einen Demonstrator für ein ISS Health Monitoring System entwickelt, welcher die Sensordaten der ISS entgegennimmt, verarbeitet und in Dashboards darstellt. Er hat hier beispielsweise auch eine einfache Anomalieerkennung für einer der Subsysteme der ISS implementiert.
Der Auftragnehmer steuert das Anwendungsszenario für das Projekt und einzigartiges Fachwissen über die ISS bei. Er gewährt der HSU Zugriff auf archivierte und exportierte Daten aus dem ISS-System aus 11 Jahren (u.a. von ca. 20.000 Sensoren, Kommandos, Tickets vom Control-Center inkl. Problemlösungsdaten).