Zum einen benötigen wir Siemens als Unterauftragnehmer aus Know-How-Gründen, zum anderen weil Siemens als Hersteller des PROOF-Empfängers auch noch eine sogenannte Maintenance-Zertifizierung eines Galileo-PRS-GNSS-Empfängers beim BSI durchführen muss. Die Maintenance-Zertifizierung darf nach den Regularien des BSI und der Common Critieria ausschließlich vom Hersteller der ursprünglichen Zertifizierung (d.h. Siemens) durchgeführt werden. Das gleiche gilt auf die notwendige Änderung bzw. Implementierung der Software: dieses darf aus Zertifizierungsgründen ebenfalls nur von Siemens vorgenommen werden. Diese Implementierungsaufgabe beinhaltet Software-Entwicklung bzw. -Anpassung aufgrund einer Signalumstellung im Galileo-Satellitennavigationssystem, sodass anschließend unsere (und damit auch die einzigen nationalen Galileo PRS Testempfänger) PRS-Empfänger noch vollumfänglich einsetzbar sind. Falls diese Implementierung nicht vorgenommen wird, können keine PRS-Demo- und Applikationsprojekte für mindestens die nächsten 6 Jahre mit Deutscher Empfängertechnologie mehr durchgeführt werden, was ein sehr großer Schaden in vielerlei Hinsicht wäre.
Des Weiteren hat Siemens umfassendes Wissen im Bereich der Satellitennavigationsempfänger-Entwicklung und -Zulassung gesammelt UND darf dies auch für Galileo PRS verwenden (d.h. hat das „need-to-know“). Voraussetzung für die Zulassung zur Bearbeitung an eingestuften PRS-Signalen und –algorithmen (durch nationale Stellen, wie die CPA (Competent PRS Authority)) beim Verkehrsministerium BMDV und europäische Stellen wie das SAB (Security Accredidation Board) der europäischen Raumfahrtagentur EUSPA) ist zudem eine durch das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) zugelassene Sperrzone sowie entsprechendes sicherheitsunterwiesenes Personal. Allein letzteres dauert in der Regel 6-9 Monate bis entsprechende Sicherheitsfreigaben vorliegen und das Personal formell bestellt und „arbeitsfähig“ ist. Daher ist der hoheitliche Navigations-Markt von Firmen, die alle diese Voraussetzungen erfüllen „überschaubar“ und ändert sich aufgrund der hohen formellen Auflagen auch nicht so schnell.
Die Siemens AG verfügt über eine weitreichende Expertise im Bereich von PRS-Security-Modul-Entwicklung sowie Empfängerintegration. Wie oben erwähnt hat Siemens AG in diesem Feld im Zuge des COMPRISE-Projektes innerhalb der geplanten Delta-Zertifizierung des PROOF-Sicherheitsmoduls das notwendige Know-How über mehrere Jahre aufgebaut und vielseitige Abstimmungen mit den nationalen Behörden, wie dem BSI, geführt. Dabei hat sich herausgestellt, dass für diese neuartigen PRS-Empfänger und deren Applikationen sich die Zulassung deutlich komplexer und aufwandsintensiver gestaltet, weil neben den nationalen Vorgaben auch verschiedene EU-Vorgaben verschiedener Instanzen zu berücksichtigen sind. Konkret soll das PROOF-Sicherheitsmodul für einen „Unclassified-even-when-keyed“-Betrieb zugelassen werden, was aktuell bereits im SIZE-Projekt passiert. Darauf aufbauend soll die sogenannte Maintenance-Zertifizierung durchgeführt werden. Auf Basis der Evaluierungs- und Zertifizierungsergebnisse aus dem Vorgänger-Projekten „P3RS-2“ und „COMPRISE“ muss zudem das PROOF-Sicherheitsmodul neben einer CC EAL4+, einer nationale Zulassung, einer AQUA Evaluierung eines zweiten EU PRS Member States auch eine EC Accreditation erhalten. Insbesondere war PROOF ursprünglich nur für den Labor-Betrieb konzipiert und deshalb nicht mit entsprechenden Härtungsmaßnahmen wie gefilterte Spannungsversorgung, erweiterte Schirmmaßnahmen etc. vorgesehen und integriert, die ebenfalls aufgerüstet werden müssen, um den Betrieb bei der DTAG sicherzustellen. Daher benötigt es einen Unterauftragnehmer der sowohl das technische Know-How als auch die Erfahrung hinsichtlich der zulassungsrechtlichen Aspekte für die verschiedenen Zertifizierungs- und Abnahmeschritte mitbringt, damit alle diese Zertifizierung innerhalb der dafür kurzen Projektdauer erfolgreich erbracht werden können.