Beschreibung der Beschaffung
Das UK Halle möchte ein System zur klinischen Entscheidungsunterstützung etablieren, das die Notaufnahme sowohl personell als auch prozessual entlasten kann. Zielsetzung: Durch eine digitale, auf künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Symptomabfrage sollen Ersteinschätzungen und Diagnosen vorgeschlagen werden können. Das vorgesehene intelligente Diagnosis Decision Support System (DDSS) soll unmittelbar durch die Patienten genutzt werden. Die Nutzung soll hierbei in zwei unterschiedlichen Anwendungsbereichen erfolgen:
Anwendungsbereich 1 (unabhängige/ anonyme Anwendung): Über die Homepage des UK Halle kann das integrierte Softwaretool aufgerufen werden und eine Ersteinschätzung der Symptome mit anschließender Empfehlung zur jeweils verantwortlichen medizinischen Einrichtung gegeben werden.
Anwendungsbereich 2 (patientenbezogene Anwendung): In der zentralen Notaufnahme des UK Halle wird die Anwendung beispielsweise mittels eines Tablets aufgerufen und gibt nach Abschluss des Symptom-Checks durch die Patienten dem ärztlichen Personal eine Diagnosegrundlage als Orientierung zu Hand. Die Anamnesedaten können anschließend in das KIS übertragen werden.
Ziel der Software ist eine ökonomisch sinnvolle Patientensteuerung, die es ermöglichen soll, nicht notwendige Aufenthalte in der Notaufnahme zu vermeiden und somit mehr Kapazitäten für akut-notfallmedizinische Fälle zu bekommen. Darüber hinaus soll die Qualität der Selbstauskünfte durch strukturierte Abfragen verbessert werden und diese Selbstauskünfte verarbeitet und von behandelnden Mitarbeitern des UKH genutzt werden können:
Anwendungsbereich 1: Patienten können bei Auftreten von Beschwerden online (bereits vor der Entscheidung die Notaufnahme des UK Halle aufzusuchen) eine strukturierte Symptomanalyse erhalten. Die hieraus generierten und evidenzbasierten Diagnosevorschläge sind Grundlage für die Ableitung einer Behandlungsbedürftigkeit und -dringlichkeit. Anschließend wird den Patienten versorgungsadäquate medizinische Einrichtungen (z. B. Notaufnahme des UK Halle) vorgeschlagen. Ein erster digitaler Symptom-Check z.B. über die UK Halle-Homepage öffnet die Möglichkeit die physischen Konsultationen zu reduzieren, die nicht durch eine universitäre Notaufnahme versorgt werden müssten. Konsekutiv werden Ressourcen des Krankenhauspersonals frei, die für die akut-notfallmedizinische Versorgung von Patienten eingesetzt werden können.
Anwendungsbereich 2: Neben einer Symptomanalyse auf der Homepage soll das DDSS-System aber auch in der zentralen Notaufnahme eingesetzt werden. In der dortigen Notaufnahme erfolgt nach Patientenankunft eine standardisierte Triage (Ersteinschätzung des Schweregrads der Beschwerden) durch medizinisches Personal nach dem Manchester Triage-System (MTS). Ziel dieses international anerkannten Vorgehens ist die schnelle Einschätzung der Behandlungsprioritäten. Das MTS teilt sich per Definition in fünf Gruppen ein: Gruppe 1 hat die dringlichste Behandlungsindikation und soll sofort behandelt werden, Gruppe 2-3 innerhalb von 10-30 Minuten, Gruppe 4 innerhalb von 90 Minuten und Gruppe 5 innerhalb von 120 Minuten. Die Software soll in der Notaufnahme des UK Halle für Patienten der MTS Gruppen 4 und 5 eingesetzt werden, also Patienten mit keiner unverzüglichen Behandlungsindikation. Dazu soll nach Ankunft der Patienten und der vorherigen Triage durch das medizinische Personal die Wartezeit in der Notaufnahme für eine Symptomanalyse z.B. über die App auf mobilen Endgeräten (Tablets) genutzt werden. Die digitale Evaluation dauert wenige Minuten und soll das ärztliche Personal anschließend im Diagnose- und Behandlungsprozess unterstützen. Der Diagnoseprozess profitiert dabei von einer strukturierten Aufnahmeanamnese, die aus Patientensicht ohne Zeitdruck beantwortet werden kann und folglich einen Informationsverlust reduziert. Die Ersteinschätzung durch die APP bietet dem ärztlichen Personal die Möglichkeit auf eine strukturierte und nachvollziehbare digitale Darstellung der Symptome mit Diagnosevorschlag zurückzugreifen, die durch anschließendes gezieltes Nachfragen vertieft werden kann. Die Gewichtung potenzieller Diagnosen mit Auflistung seltenerer bzw. unwahrscheinlicherer Krankheitsbilder erhöht die ärztliche Diagnosequalität und steigert so die Qualität der Patientenversorgung. Es besteht das Potenzial, dass die Diagnosequalität unabhängiger von der zeitlichen ärztlichen Verfügbarkeit und dem Grad der ärztlichen Qualifikation wird. Die Qualitätssteigerung kann die Häufigkeit einer invasiven Diagnostik für Patienten reduzieren und -gesamthaft betrachtet- die Behandlungskosten dahingehend senken. Ein weiterer Vorteil bestünde ggf. in der Anbindung der Software in das krankenhauseigene KIS über die gesetzlich vorgeschriebenen Schnittstellen, wodurch Doppeldokumentationen und Übertragungsfehler beim ärztlichen Personal vermieden werden könnten.
Ziel des UKH ist es, das vorgesehene intelligente Diagnosis Decision Support System (DDSS) möglichst in die bestehende IT-Landschaft zu integrieren und dabei Medienbrüche für Patienten und Klinikpersonal zu vermeiden. Die technische Umsetzung muss dem aktuellen Stand der Technik entsprechen, das heißt, den Anforderungen an die Schutzziele der Informationssicherheit (Vertraulichkeit, Verfügbarkeit, Integrität, Authentizität), einfache Benutzerführung und integrierte Schnittstellen.