Die Zusammenarbeit der HSU mit der Rheinmetall Waffe Munition GmbH (RWM) unterfällt gemäß § 116 Abs. 1 Nr. 2 GWB nicht dem Anwendungsbereich des Vergaberechts. RWM erbringt im Projekt Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen im Sinne von § 116 Abs. 1 Nr. 2 GWB. Im ESAS-Projekt arbeitet die RWM mit der HSU in der angewandten Forschung zusammen. Die Ergebnisse des ESAS- Projektes sollen zu neuen Testverfahren führen, die die Störanfälligkeit insbesondere sicherheitskritischer Funktionen eines Fahrzeugs zum Gegenstand haben. Die systematische Untersuchung des Störpotentials eines Bordnetzes elektrisch angetriebener Fahrzeuge -insbesondere seiner leistungselektronischen Komponenten- sowie die Untersuchung des Störpotentials von IEMI auf autonome Fahrzeuge, soll bestehende Wissenslücken schließen. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse sollen neue Modellierungs- und Simulationsmethoden für die Einkopplung elektromagnetischer Störungen, insbesondere an der Schnittstelle zwischen analogen Sensoren und digitaler Weiterverarbeitung, erarbeitet werden und letztlich zu einer neuen Mess- und Erprobungsstrategie unter den geänderten Bedingungen des autonomen Fahrens, elektrischer Antriebe und unter Berücksichtigung von IEMI führen. Die Forschungsergebnisse werden vollständig veröffentlicht und sollen Im Erfolgsfall einen neuen Standard in der Industrie setzen. Zwar enthält § 116 Abs. 1 Nr. 2 GWB a.E. eine Rückausnahme für bestimmte Forschungsleistungen. Diese ist jedoch nicht einschlägig. Die HSU vergütet die von RWM erbrachten Leistungen nicht vollständig. Vielmehr hat die Zusammenarbeit den Charakter einer gleichberechtigten Kooperation, im Rahmen derer sowohl die HSU als auch die RWM Beiträge in erheblichem Umfang erbringen. RWM bringt wesentliche Projektbeiträge, wie das eigene Personal sowie die Nutzung ihrer Gebäude, insbesondere die Labore der EMV Mess- und Prüfeinrichtungen als auch der Simulationssoftware unentgeltlich in das Forschungsvorhaben ein. RWM trägt zudem die Kosten für das Verbrauchsmaterial der Demonstratoren. Die HSU erhält kein ausschließliches Nutzungsrecht an den Projektergebnissen. Ziel des ESAS-Projekts ist es, ein neues Testerfahren zu erforschen und zu etablieren. Andere Unternehmen sollen daher in die Lage versetzt werden, die Forschungsergebnisse zu reproduzieren.