Für die Einführung des ICE L bei der DB Fernverkehr AG sind in der Großen Wagenhalle
(GroWa) in Berlin Rummelsburg umfängliche Umbauarbeiten an den beiden Hallengleisen
erforderlich. Der ICE L als sogenanntes Niederflurfahrzeug ist nicht, wie bei anderen ICEBaureihen
bisher, mit klassischen „H-Drehgestelle“ ausgerüstet. Das ICE L Fahrwerk ist ein
abgewandeltes Jakobsdrehgestell, in einachsiger Ausführung, was beim Fahrzeughersteller
Talgo als Rodal bezeichnet wird.
Dieses Rodal ist mit den vorhandenen Gleisbrücken und den klassischen ICE Radsatz-
Wechslern der GroWa nicht tauschbar. Somit müssen sowohl die Bestandsgleisbrücken
(nicht Bestandteil dieser Vergabe) gegen deutlich größere Gleisbrücken ausgetauscht, als
auch eine neue Wechseltechnik beschafft werden.
Die neue Wechseltechnik muss auf Grund der Bestandsinfrastruktur der GroWa, von der
Hallendecke abgehangene Dacharbeitsbühnen (DAB) und daran befestigten
Lokführerlaufstegen (LLS) inkl. Queraussteifung dieser Laufstege oberhalb des mittleren
Längsförderverkehrswege sowie den Rampen am Beginn und am Ende der
Querförderverkehrswege diversen technischen Anforderungen entsprechen.
Eine Inbetriebnahme der GroWa ohne Wechseltechnik für Rodale ist vor dem Hintergrund
der zur Betriebsaufnahme des ICE L (Stand 17.07.2023: am 12.07.2024), erforderlichen
Infrastruktur ein unkalkulierbares Risiko für den Bedarfsträger. Der sich daraus
resultierende nicht fahrplanmäßige Einsatz des ICE L hätte direkte Auswirkungen auf den
Zugverkehr.
Angesichts des nicht verschiebbaren Inbetriebnahmezeitpunktes (geknüpft an
Betriebsaufnahme ICE L) und der technologischen Komplexität und Einzigartigkeit, kann
die Erfüllung dieser Leistung nach Pkt. 2.1.3 nur der Fa. "Büter Hebetechnik GmbH"
zugemutet werden. Die "Büter Hebetechnik GmbH" hat bereits in mehreren
Referenzprojekten erwiesen die Qualitätsanforderungen für diese Maßnahmen voll erfüllen
zu können. Hinzu kommt, dass die "Büter Hebetechnik GmbH" als einziges Unternehmen
am Markt eine fertigentwickelte Lösung für diese Anwendung anbieten kann. Das ergaben
Marktsondierungen, bei denen diverse Vergaben (im Teilnehmerwettbewerb) für diese
Technologie betrachtet wurden. Dabei hat sich herausgestellt, dass nur die "Büter
Hebetechnik GmbH" die ausgeschriebene Technologie zu einem wirtschaftlichen Preis
anbieten konnte. Andere Wettbewerber müssten diese Technologie erst entwickeln, wobei
mit einer Entwicklungs- und Fertigungszeit von mindestens einem Jahr zu rechnen ist
(Diese Entwicklungszeit war für die Erstentwicklung dieser Technologie notwendig). Diese
Entwicklungszeit wäre dem zur Folge mit dem erforderlichen Inbetriebnahmezeitpunkt nicht
vereinbar und hätte somit direkte Auswirkungen auf den fahrplanmäßigen Fahrzeugeinsatz
des ICE L im Fernverkehr der DB AG.
Da die letzte betrachtete Vergabe weniger als 8 Monate zurückliegt (Stand: 17.07.2023), ist
davon auszugehen, dass auch zum aktuellen Zeitpunkt kein anderes Unternehmen für die
Erbringung dieser Leistung in der Lage ist.
Darüber hinaus gehen mit der Vergabe dieser Leistung an einen Hersteller, der das Produkt
erst noch entwickeln muss, Risiken einher, die für den Auftraggeber/Bedarfsträger unter
den aktuellen Projektbedingungen nicht beherrschbar sind. So bestehen im Rahmen solch
einer Neuentwicklung grundsätzlich die Risiken, dass es zu Verzögerungen, Unsicherheiten
bzgl. der Produktleistung, mangelnde Erfahrung und Qualitätsprobleme kommt. Im Sinne
eines aktiven Risikomanagements können mit der Wahl eines Herstellers mit der
notwendigen Erfahrung und einem darauf ausgerichteten Qualitätsmanagementsystems,
die benannten Risiken auf ein verträgliches Maß minimiert werden. Dafür kommt in diesem
Fall nur die "Büter Hebetechnik GmbH" in Frage.
Somit liegen diverse Gründe vor, weshalb aus technischen Gründen kein Wettbewerb
vorliegt.
Das angedachte Vergabeverfahren ist dementsprechend ohne vorgelagerten
öffentlichen Teilnahmewettbewerb durchzuführen.