Kurze Beschreibung
Der im Februar 2020 gegründete Zweckverband Region Finowkanal (ZRF) beabsichtigt die Übernahme der zwölf Schleusen des Finowkanals vom bisherigen Eigentümer Bundesrepublik Deutschland. Zielstellung des Verbandes ist die Sicherung der dauerhaften Schiffbarkeit des Finowkanals für den motorisierten und muskelbetriebenen Bootsverkehr und die wassertouristische Entwicklung der Gesamtregion. Mitglieder des kommunalen Zweckverbandes sind der Landkreis Barnim, die Städte Liebenwalde, Eberswalde, Oderberg und Bad Freienwalde sowie die Gemeinden Wandlitz, Marienwerder, Liepe und Niederfinow.
Die Übernahme der Schleusen erfolgt auf der Grundlage einer umfassenden Finanzierungsvereinbarung zwischen dem Bund, vertreten durch die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS) und dem ZRF in zwei Schleusenpaketen:
Schleusenpaket 1 (SP1)
- Schleusen Ruhlsdorf, Leesenbrück, Grafenbrück, Schöpfurt, Heegermühle; Wolfswinkel
Schleusenpaket 2 (SP2)
- Schleusen Drahthammer, Kupferhammer, Eberswalde, Ragöse, Stecher und Liepe
Beim Eigentümer Bundesrepublik Deutschland verbleiben die Gewässerfläche des Finowkanals sowie die weiteren wasserbaulichen Anlagen (Wehre, Brücken u.a.) und die damit verbundenen Aufgaben der Unterhaltung und Bewirtschaftung.
Das SP 1 befindet sich nach Fertigstellung der Genehmigungsplanung aktuell in der abschließenden Prüfung durch die betreffenden Genehmigungs- bzw. Erlaubnisbehörden. Der Baubeginn ist im IV. Quartal 2022 und die Fertigstellung aller Baumaßnahmen für Mai 2025 geplant. Parallel wurde im März 2022 bereits mit bauvorbereitenden Arbeiten begonnen.
In Vorbereitung der Beauftragung der Ingenieurleistungen (Generalplanung) für die Grundinstandsetzung bzw. Modernisierung der Schleusen des SP 2 wird aktuell ein EU-Vergabeverfahren durchgeführt. Zielstellung ist es, den Auftrag im Juni 2022 zu erteilen.
Die handbetriebenen Schleusen des SP 2 wurden als doppelbreite Kammerschleusen errichtet und haben eine Kammerlänge von rd. 41,50 m, eine lichte Durchfahrtsbreite von rd. 9,60 m, überwinden Fallhöhen zwischen 2,30 m bis 4,20 m. Bis auf die Schleuse Eberswalde, welche im Jahr 2001 grundinstandgesetzt wurde, besteht bei allen o.g. Schleusen ein vordringlicher Grundinstandsetzungsbedarf. Für die Schleuse Eberswalde besteht Instandhaltungsbedarf. Zudem sollen im Zuge der Baumaßnahmen alle Schleusen mit elektrischen Antrieben für den automatisierten, selbstbedienten Betrieb mit Fernüberwachung ausgerüstet werden.
Die Generalplanungsleistung beinhaltet die erforderlichen Ingenieurplanungsleistungen der Leistungsbilder der HOAI 2021 wie folgt:
- Objektplanung (Gebäude, Freianlagen, Ingenieurbauwerke, Verkehrsanlagen)
- Fachplanung (Tragwerksplanung, Technische Ausrüstung)
- Fachplanungs- und Beratungsleistung (Geotechnik, Planungsleistungen baustofftechnologische Bestandsuntersuchungen, Ingenieurvermessung
- Weitere Leistungen (Leistungen nach Baustellenverordnung, Örtliche Bauüberwachung u.a.)
Der ZRF wird für die Ingenieurplanungsleistungen eine optionale stufenweise Vergabe der Leistungen in fünf Planungsstufen vornehmen.
Die Projektverantwortung für die Umsetzung des Schleusenpaketes 1 und 2 liegt beim Zweckverband Region Finowkanal. Auf Grund des Umfanges, der Komplexität und umfassenden Problemlagen der sehr hohen Planungs- und Koordinierungsanforderungen des Gesamtprojektes werden die zu vergebenden Projektsteuerungsleistungen zur Organisation und -koordinierung, fachlichen Unterstützung und zur Wahrnehmung der Projektverantwortung des ZRF für das 2. Schleusenpaket benötigt.