Dienstleistungen - 451799-2020

25/09/2020    S187

Deutschland-Berlin: Mehrwert-Informationsdienste

2020/S 187-451799

Wettbewerbsbekanntmachung

Rechtsgrundlage:
Richtlinie 2014/24/EU

Abschnitt I: Öffentlicher Auftraggeber/Auftraggeber

I.1)Name und Adressen
Offizielle Bezeichnung: Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland
Postanschrift: Salzufer 8
Ort: Berlin
NUTS-Code: DE300 Berlin
Postleitzahl: 10587
Land: Deutschland
Kontaktstelle(n): Vergabestelle der Kassenärztlichen Bundesvereinigung K. d. ö. R.
E-Mail: vergabestelle@kbv.de
Telefon: +49 3040051536
Fax: +49 3040051595
Internet-Adresse(n):
Hauptadresse: www.zi.de
Adresse des Beschafferprofils: https://www.zi.de/rpm/
I.3)Kommunikation
Die Auftragsunterlagen stehen für einen uneingeschränkten und vollständigen direkten Zugang gebührenfrei zur Verfügung unter: https://www.zi.de/fileadmin/images/content/Studien/Bewerbungsformular_RPM.pdf
Weitere Auskünfte erteilen/erteilt die oben genannten Kontaktstellen
Angebote oder Teilnahmeanträge sind einzureichen an die oben genannten Kontaktstellen
I.4)Art des öffentlichen Auftraggebers
Einrichtung des öffentlichen Rechts
I.5)Haupttätigkeit(en)
Gesundheit

Abschnitt II: Gegenstand

II.1)Umfang der Beschaffung
II.1.1)Bezeichnung des Auftrags:

Digitale Remote Monitoring Lösung für Infekt-Patienten in der ambulanten ärztlichen Versorgung

II.1.2)CPV-Code Hauptteil
64216210 Mehrwert-Informationsdienste
II.2)Beschreibung
II.2.2)Weitere(r) CPV-Code(s)
64226000 Telematikdienste
II.2.4)Beschreibung der Beschaffung:

Bei dem hier gegenständlichen Vorhaben handelt es sich um kein förmliches Vergabeverfahren gemäß der Richtlinie 2014/24/EU bzw. gemäß VgV. Das Medium dieser Wettbewerbsbekanntmachung wurde lediglich deshalb genutzt, da es den größtmöglichen potentiellen Interessentenkreis zu erreichen verspricht sowie maximale Transparenz über die vom Auftraggeber verfolgte Absicht erzeugt.

Das hier im Weiteren beschriebene Vorhaben besteht im ersten Schritt in der Durchführung einer wissenschaftlichen Studie, mit der die Leistungsfähigkeit von Remote Patient Monitoring Systemen in der Alltagsanwendung durch Arztpraxen beurteilt werden soll. Die Studie soll zeigen, ob und in welchem Maße die Anwendung tatsächlich

— eine möglichst adhärente Dateneingabe durch Patienten unterstützt;

— vom Arzt und Praxisteam sicher und zeitsparend zum Monitoring eingesetzt werden kann;

— durch die Art der Gestaltung günstigere Versorgungseffekte, z. B. durch eine niedrigere stationäre Aufnahmerate sowie eine höhere Nutzerzufriedenheit beim Praxisteam und beim Patienten erzeugt. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) führt dazu in Wahrnehmung seiner Funktion als Forschungseinrichtung der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung eine vergleichende Fall‐Kontroll‐Studie durch. Einbezogen werden maximal 3 der am Markt verfügbaren Lösungen, die Anforderungen gemäß Ziffer III.1.10) dieser Bekanntmachung erfüllen. Ziel der Studie ist es Voraussetzungen für einen möglichst breiten Einsatz einer oder mehrerer Remote Monitoring Lösungen zur Betreuung von Infekt-Patienten in der ärztlichen Versorgung zu schaffen (vgl. dazu Ziffer VI.3) dieser Bekanntmachung). Im Rahmen der Studie soll jede der 3 verglichenen Remote Patient Monitoring Lösungen mindestens in 30 Praxen über 8 bis 12 Wochen eingesetzt werden. Die Studie soll im Zeitraum Mitte Oktober 2020 bis spätestens Ende Januar 2021 stattfinden.

II.2.13)Angaben zu Mitteln der Europäischen Union
Der Auftrag steht in Verbindung mit einem Vorhaben und/oder Programm, das aus Mitteln der EU finanziert wird: nein

Abschnitt III: Rechtliche, wirtschaftliche, finanzielle und technische Angaben

III.1)Teilnahmebedingungen
III.1.10)Kriterien für die Auswahl der Teilnehmer:

Allgemeine Anforderungen:

— Die digitale Lösung verfügt über ein Patienten‐Front‐End zur selbständigen Dateneingabe sowie über eine Dashboard‐Ansicht für die behandelnde Arztpraxis.

— Unmittelbare Anwendbarkeit in Deutschland für eine Studienphase von Oktober 2020 bis Januar 2021.

— Die Lösung unterstützt die Erfassung mindestens der vom RKI vorgegebenen Symptome einer potenziellen Corona‐Infektion sowie Erfassung typischer Symptome saisonaler Infektionskrankheiten.

— Vorliegen von Informationsmaterial für Patienten und Schulungsmaterial für Praxen in deutscher Sprache.

— Möglichkeit eines automatisierten Exports aggregierter Daten oder von Reports für die Versorgungssteuerung durch Kassenärztliche Vereinigungen.

— Nach BSI‐Kriterien sichere Technik und DSGVO‐konforme Datenhaltung.

— Wünschenswert ist die Zertifizierung als Medizinprodukt, wenn die Anwendung dem betreuenden Arzt Bewertungs‐Scores oder Empfehlungen zur prioritären Betrachtung einzelner Patienten zur Verfügung stellt.

Anforderungen an Monitoring‐Funktionen zur Unterstützung des Praxisteams:

— Einfache und eindeutige Zuordnung der Patienten zu einer koordinieren Praxis, bzw. zum Dashboard eines Arztes.

— Der Arzt hat eine Einteilungsmöglichkeit der Infektpatienten in Kohorten/therapeutisch relevante Gruppen z.B. nach Risiken oder Schweregraden.

— Der Arzt kann durch die Kohorten/Gruppeneinteilung eine Differenzierung der Zeitintervalle für die Dateneingabe, die Art der zu dokumentierenden (Vital‐)Parameter sowie kritische Grenzwerte und die ärztlichen Beobachtungsintervalle der ambulant fernbehandelten Patienten vornehmen.

— Somit kann die Nutzung bestimmter Hilfsmittel wie z.B. eines Pulsoxymeters der Kohorte mit besonderen Risikomerkmalen vorbehalten werden.

— Auf Veranlassung des Arztes kann der Patient leicht einer anderen Kohorte zugeordnet werden (z.B. bei Zustandsverschlechterung).

— Übersichtliche und gestaltbare Darstellungsmöglichkeiten über die aktuell behandelten Patienten; Patienten mit auffälligen Werten bzw. relevanter Verschlechterung von Verläufen werden visuell hervorgehoben; die Ansicht erlaubt eine Sortiermöglichkeit für das betreuende Praxispersonal nach vom Arzt definierten Kriterien, um ärztlichen Handlungsbedarf anzuzeigen.

— Erinnerungsfunktion für den Arzt, sobald relevante Änderungen im Dashboard vorliegen.

— Möglichkeit, die Daten im Rahmen einer Mitbehandlung, Vertretung oder Patientenübernahme mit weiteren Ärzten zu teilen.

— Wünschenswert ist eine Exportfunktion in das Praxisverwaltungssystem (PVS) als Gesamtbericht (PDF) und optional Einzelinformationen in entsprechende Datenfelder des PVS.

Anforderungen an die Gestaltung der patientenseitigen Dateneingabe:

— Erfassung relevanter Parameter und Informationen im Zusammenhang mit einer akut bestehenden Infektionskrankheit durch den Patienten via App und/oder Web‐App (möglichst breite Basis von Endgeräten sollte unterstützt werden).

— Hinweise für den Patienten, wann und in welchem Kontext Parameter und Informationen zu erfassen sind (beispielsweise Temperaturmessung vor Einnahme von Antipyretika).

— Es existiert ein integriertes und automatisches Patientenfeedback, das Patienten zeigt, wann der Arzt ihre Daten gesehen hat.

— Einwilligungsmodul zur Freigabe pseudonymisierter Individualdaten für die Versorgungsforschung (Datenspende).

— Wünschenswert: Möglichkeit zur Angabe der Selbstmedikation.

— Wünschenswert ist eine Anbindungsmöglichkeit medizinischer Messgeräte (insb. Pulsoxymeter).

Sollten mehr als 3 Teilnahmeinteressierte die Anforderungen in gleichwertiger Qualität erfüllen, entscheidet ein Losverfahren.

Abschnitt IV: Verfahren

IV.1)Beschreibung
IV.1.2)Art des Wettbewerbs
Nichtoffen
Anzahl der in Erwägung gezogenen Teilnehmer: 3
IV.1.7)Namen der bereits ausgewählten Teilnehmer:
IV.1.9)Kriterien für die Bewertung der Projekte:

Erfüllungsgrad der in Ziffer III.1.10) aufgeführten Anforderungen.

Im Rahmen der Studie wird die Eignung der Remote Patient Monitoring Lösungen anhand folgender Kriterien verglichen:

— Patienten:

—— Adhärenz (Vollständigkeit der Angaben, Abbrecherrate, Teilnahmerate);

—— Qualität der Behandlung aus Sicht des Patienten (reduzierte Unsicherheit, Ängste, Zeitaufwand);

—— Zufriedenheit mit dem RPM‐Tool;

— Praxen:

—— Aufwand Patientenrekrutierung und laufender Managementaufwand für Monitoring (z.B. wegen Rückfragen der Patienten);

—— Zeitbilanz (Ersparnis vs. Mehraufwand) für Arzt und Team;

—— Zufriedenheit von Arzt und Team;

—— Adhärenz der Praxen (Abbrecherrate);

—— Einschätzung Versorgungsqualität aus Sicht des Arztes (z. B. Auffinden kritischer Fälle, rechtzeitige Einweisung);

Bei gleichwertigen Studienergebnissen können auch mehrere Patient Remote Monitoring Lösungen zur Verordnung empfohlen werden bzw. als Kooperationspartner von Kassenärztlichen Vereinigungen in Frage kommen (vgl. Ziffer VI.3).

IV.2)Verwaltungsangaben
IV.2.2)Schlusstermin für den Eingang der Projekte oder Teilnahmeanträge
Tag: 15/10/2020
Ortszeit: 13:00
IV.2.3)Tag der Absendung der Aufforderungen zur Teilnahme an ausgewählte Bewerber
IV.2.4)Sprache(n), in der (denen) Projekte erstellt oder Teilnahmeanträge verfasst werden können:
Deutsch
IV.3)Preise und Preisgericht
IV.3.1)Angaben zu Preisen
Es werden ein oder mehrere Preise vergeben: ja
Anzahl und Höhe der zu vergebenden Preise:

Nach erfolgter Prüfung durch das Preisgericht, ob die Anforderungen gemäß Ziffer III.1.10) erfüllt sind (gemäß Bewerbungsformular sowie ggf. Datenblättern und weiterer Unterlagen) sowie erforderlichenfalls durchgeführtem Losentscheid, erhalten die 3 ausgewählten Bewerber gleichwertige Preise von jeweils 2.000 €.

IV.3.2)Angaben zu Zahlungen an alle Teilnehmer:

Unmittelbar nach der Entscheidung

IV.3.3)Folgeaufträge
Ein Dienstleistungsauftrag infolge des Wettbewerbs wird an den/die Gewinner des Wettbewerbs vergeben: nein
IV.3.4)Entscheidung des Preisgerichts
Die Entscheidung des Preisgerichts ist für den öffentlichen Auftraggeber/den Auftraggeber bindend: ja
IV.3.5)Namen der ausgewählten Preisrichter:

Abschnitt VI: Weitere Angaben

VI.3)Zusätzliche Angaben:

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Stiftung des privaten Rechts, ist eine gemeinnützige Forschungseinrichtung. Sie wird von den 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) sowie aus Projektmitteln finanziert. Gemäß Satzung unterstützt die Stiftung den gesetzlichen Sicherstellungsauftrag (§ 75 SGB V) der KVen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) mit den Mitteln der Wissenschaft und Forschung.

Durch die COVID-19-Pandemie wird die ärztliche Versorgung während der saisonalen Infektsaison im 4. Quartal 2020 und im 1. Quartal 2021 stark belastet, da in dieser Zeit erwartungsgemäß die Anzahl hilfesuchender Patienten mit Infektsymptomen stark ansteigt. Neben vergleichsweise harmlosen Infekten der oberen Atemwege können sich hinter den Symptomen COVID-19-Fälle sowie Influenza-Fälle verbergen. Digitale Remote Patient Monitoring Lösungen können einen Beitrag dazu leisten, diese Patienten engmaschig ärztlich zu beobachten und ggf. zu behandeln und dabei zugleich das Infektionsrisiko für andere Patienten in den Praxen zu minimieren. Das Zi beabsichtigt daher eine vergleichende Studie zur Alltagstauglichkeit entsprechender digitaler Lösungen durchzuführen und deren Versorgungsbeitrag gegenüber dem Status Quo zu ermitteln.

Im Ergebnis soll ein Anforderungsprofil resultieren, mit dem die Voraussetzungen für einen breiten Einsatz von Remote Patient Monitoring Systemen in der ambulanten ärztlichen Versorgung von Infektpatienten beschrieben werden können. Das oder die Systeme, die sich anhand der Studie gemäß der beschriebenen Bewertungskriterien als geeignet für einen breiten Einsatz in der vertragsärztlichen Versorgung herausstellen, sollen den Vertragsärzten empfohlen werden. Infrage kommt eine mögliche ärztliche Verordnung, sofern der Hersteller durch Teilnahme am Fast-Track-Verfahren des BfArM für die Zulassung digitaler Gesundheitsanwendungen hierfür die Voraussetzungen geschaffen hat. Zudem kommt eine Kooperation mit dem Zi und/oder einer oder mehreren Kassenärztlichen Vereinigungen oder der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zur Weiterentwicklung sowie zum Einsatz der Remote Monitoring Lösung infrage, sobald der Gesetzgeber hierfür eine geeignete Rechtsgrundlage geschaffen hat. Eine solche ist mit § 68c SGB V z. B. im Rahmen des Entwurfs des Patientendaten-Schutz-Gesetzes bereits beschrieben.

VI.4)Rechtsbehelfsverfahren/Nachprüfungsverfahren
VI.4.1)Zuständige Stelle für Rechtsbehelfs-/Nachprüfungsverfahren
Offizielle Bezeichnung: Vergabekammer des Bundes beim Bundeskartellamt
Postanschrift: Villemombler Straße 76
Ort: Bonn
Postleitzahl: 53123
Land: Deutschland
E-Mail: vk@bundeskartellamt.bund.de
Telefon: +49 228-94990
Fax: +49 228-9499163
VI.5)Tag der Absendung dieser Bekanntmachung:
21/09/2020